Wann ist ein Tilgungsdarlehen sinnvoll?

Im Gegensatz zu einem Annuitätendarlehen, bei dem die monatliche oder quartalsweise Rate an die Bank immer gleichbleibend ist, sinkt bei einem Tilgungsdarlehen die monatliche Rate kontinuierlich. Lohnt sich das?

Ein Tilgungsdarlehen bedeutet, dass Sie einen bestimmten Kreditbetrag linear über einen festgelegten Rückzahlungszeitraum verteilen. Sie nehmen beispielsweise ein Darlehen von 100.000,00 EUR auf und vereinbaren mit der Bank einen zehnjährigen Rückzahlungszeitraum. In diesem Fall beträgt der jährliche Tilgungsanteil für die Bank 10.000,00 EUR und somit monatlich konstant 833,33 EUR. Der Zinsanteil sinkt dem entsprechend mit jeder Tilgungsrate, weil die Restschuld ja immer kleiner wird.

 

Steuern und Liquidität

Beim Annuitätendarlehen war der Mechanismus ein ganz anderer. Dort ist die Kreditrate immer gleich. Der Zinsanteil ist am Anfang groß und sinkt im Laufe der Zeit während der Tilgungsanteil dem entsprechend in der Anfangszeit klein ist und im Laufe der Zeit immer größer wird. Der steuerlich abzugsfähige Zinsanteil bei einem Tilgungsdarlehen ist im Vergleich zu einem Annuitätendarlehen in der Anfangszeit kleiner, dafür ist der Tilgungsanteil bei einem Tilgungsdarlehen in der Anfangszeit höher als bei einem Annuitätendarlehen. Dies bedeutet, dass die Liquiditätssituation in der Anfangszeit bei einem Darlehensnehmer, der sich für ein Annuitätendarlehen entscheidet, besser als bei demjenigen, der sich für ein Tilgungsdarlehen entscheidet. Irgendwann mal gibt es einen Schnittpunkt, wo die Liquiditätsbelastung bei einem Annuitätendarlehen höher wird als bei einem Tilgungsdarlehen, weil ja bei dem Annuitätendarlehen der Tilgungsanteil im Laufe der Zeit immer grösser wird.

 

In welchen Situationen lohnt sich nun ein Tilgungsdarlehen?

Ein Tilgungsdarlehen ist für Investitionen interessant, wo keine gravierenden Veränderungen in der Liquidität von Anfang bis zum Ende des Darlehens von vorne herein zu erwarten sind. Das Tilgungsdarlehen gewährleistet eine konstantere Liquiditätsbelastung als ein Annuitätendarlehen. Wer also am Anfang einer Investition nicht darauf angewiesen ist, einen höheren Nettoertrag aus der Investition zurück zu behalten, für den ist ein Tilgungsdarlehen eher geeignet als ein Annuitätendarlehen.

Der Rückzahlungszeitraum ist bei einem Tilgungsdarlehen natürlich tendenziell höher als bei einem Annuitätendarlehen. Dies liegt daran, dass das Annuitätendarlehen mit steigendem Tilgungsanteil im Laufe des Rückzahlungszeitraums am Ende eine Art „Rückzahlungsturbo“ enthält. Dies mindert zwar die verfügbare Liquidität des Darlehensnehmers. Sollte er sich dies aber im Laufe des Rückzahlungszeitraums leisten können, so kann er mit dem Annuitätendarlehen schneller das Darlehen zurückzahlen als bei einem Tilgungsdarlehen.

Es kommt also entscheidend auf die Art der Investition und den persönlichen Zielvorstellungen des Darlehensnehmers an, für welche Darlehensart er sich entscheiden sollte.

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