Niedrige Zinsen für die Zukunft sichern

Bei Investoren und allen, die auf Bankendarlehen angewiesen sind, um unternehmerisch zu wachsen, mehren sich die Ängste, dass die Zinsen nun alsbald wieder steigen. In solchen Zeiten stellt sich die Frage, wie man sich heute das niedrige Zinsniveau für die Zukunft sichern kann.

 

Nachfolgend sollen einige Möglichkeiten aufgezeigt und deren Chancen und Risiken gegeneinander abgewogen werden.

 

  1. Fluch und Segen der Bausparfinanzierung:

An anderer Stelle haben wir bereits detailliert über die Funktionsweise von Bausparfinanzierungen informiert. Hier noch einmal die Kurzfassung:

 

Bei dieser Finanzierungsart wird ein Darlehen, beispielsweise über zehn Jahre und einem Zinssatz von 1,5% abgeschlossen. Dieses Darlehen wird über den Zehn-Jahres-Zeitraum nicht getilgt. Stattdessen wird parallel dazu ein Bausparvertrag abgeschlossen. Hierin wird eine Bausparsumme, also eine Darlehenssumme festgelegt, die unter bestimmten Voraussetzungen, nach Ablauf der zehn Jahre, ausgezahlt wird. Voraussetzung für die Auszahlung ist jedoch, dass über diesen 10-Jahres-Zeitraum (nur Beispiel) eine Summe zwischen 40% und 60% des vereinbarten Bauspardarlehens (in unserem Beispielsfall 100.000,00 EUR) eingezahlt sind. Erst dann wird der Bausparvertrag „zuteilungsreif“. Also müssen erst einmal zehn Jahre lang ca. 40.000,00 EUR bis 60.000,00 EUR angespart werden, um nach zehn Jahren ein Darlehen zwischen 60.000,00 EUR und 40.000,00 EUR zu bekommen. Mit dem angesparten Guthaben zzgl. des Bauspardarlehens wird dann das Vorausdarlehen von 100.000,00 EUR nach zehn Jahren abgelöst.

Der Clou an der Finanzierung ist, dass mit Abschluss des Bausparvertrages bereits ein zugesicherter Zins für das Anschlussdarlehen in 10 Jahren vereinbart wird. Dieser liegt in unserem Beispielsfall z.B. bei ca. 1,7%.

Der Nachteil ist jedoch, dass die Bausparbeiträge die nächsten 10 Jahre nur mit ca. 0,1% verzinst werden. Wirtschaftlich entsteht also ein Schaden i.H. von 1,4% p.a. (1,5% Darlehenszins abzüglich 0,1% Guthabens Zins).

 

  1. Zinssicherung über lange Zinsfestschreibungsdauern:

Die Zinsfestschreibung beschreibt einen Zeitraum, über den sich die Bank an eine bestimmte Zinszusage hält. Das niedrige heutige Zinsniveau kann somit für eine bestimmte Laufzeit gesichert werden. Die negative Seite ist, dass man innerhalb dieses Zinsfestschreibungszeitraumes das Darlehen nicht zurückzahlen kann.

Zinsfestschreibungszeiträume von fünf, zehn, fünfzehn und sogar zwanzig Jahren sind üblich. Je kürzer der Zinsfestschreibungszeitraum vereinbart wird, desto günstiger wird sich dies auf den Zinssatz auswirken. Die Bank bindet sich schlichtweg bei kürzeren Laufzeiten nicht so lange an ihr Zinsversprechen. Dadurch sinkt das Zinsänderungsrisiko für die Bank. Ein verlängerter Zinsfestschreibungszeitraum wirkt somit wie eine Art Versicherungsprämie auf den Zinssatz für den Darlehensnehmer.

Bei der Finanzierung eines Unternehmenskaufs werden oftmals Finanzierungsdauern von 15 bis 20 Jahren benötigt. Hier werden oftmals 10-jährige Zins-Bindungszeiträume vereinbart. Nach Ablauf der zehnjährigen Zinsbindung wird dann ein Anschlussdarlehen mit der Bank vereinbart werden müssen und zwar zu dem Zinssatz, der dann in zehn Jahren gilt. Wie hoch dieser sein wird, kann nur gemutmaßt werden. Gerade bei Immobilienfinanzierungen, die durchaus auch über einen Zeitraum von 30 Jahren abgeschlossen werden, kann eine 10-jährige Zinsbindungsdauer bei hohen Zinssteigerungen nach Ablauf der 10-Jahres-Frist verheerende Auswirkungen haben. Das ganze Investitionsmodell kann bei sich verdoppelten oder verdreifachten Zinsen schnell ins Wanken kommen!

Verlängern Sie doch einfach die Zinsbindungsfristen von 10, beispielsweise auf 15 oder 20 Jahre. Mit jedem weiteren 5-Jahres-Zinsbindungspaket verschlechtert sich der Zins um ca. 0,2% bis 0,3%-Punkte. Sie haben aber eine Zinssicherheit über eine lange Zeit. Auf der anderen Seite sieht das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) vor, dass Sie jeden Darlehensvertrag nach Ablauf von 10 Jahren kündigen können, auch wenn Sie Zinsbindungsfristen über 10 Jahre vereinbaren. Damit zahlen Sie zwar von Anfang an einen erhöhten Darlehenszins, haben aber gleichwohl immer die Flexibilität spätestens nach 10 Jahren beispielsweise eine Umschuldung zu einer anderen Bank mit niedrigerem Zinsangebot oder eine Kompletttilgung des Darlehens vorzunehmen.

Darüber hinaus können Sie Sondertilgungen vereinbaren. Diese lassen sich Banken oftmals ebenfalls mit einem kleinen Zinsaufschlag im Bereich von unter 0,1%-Punkten p.a. vergüten. Oft schafft man es aber Sondertilgungen in Höhe von 5% der ursprünglichen Darlehenssumme p.a. kostenfrei zu vereinbaren.

Diese Variante ist aus unserer Praxissicht meistens die günstigere Zinssicherungsvariante im Vergleich zur Bausparfinanzierung.

 

  1. Immer das absolute Zinsrisiko bewerten!

Oftmals wird vom Darlehensgeber das Spiel mit den Prozenten gespielt. Heute schließen Sie ein Darlehen für 1,5% ab mit einer Zinsbindungsdauer von 10 Jahren und der Banker weist Sie darauf hin, dass die Zinsen nach Ablauf von 10 Jahren durchaus im Bereich von 4% bis 5% liegen können. Dieser Zinssatz sei schließlich vor 10 Jahren absolut üblich gewesen. Mit dieser Aussage hat er grundsätzlich Recht. Die Frage ist nur, auf welche Restdarlehenssumme bezieht sich der vom Banker für nicht unwahrscheinlich gehaltene Zinssatz von 4% bis 5% in 10 Jahren? Haben Sie beispielsweise ein Darlehen über 500.000,00 EUR für den Erwerb Ihres Betriebes aufgenommen und eine Laufzeit von 15 Jahren mit einer Zinsbindung von 10 Jahren vereinbart, so beläuft sich das Restdarlehen nach Ablauf der Zinsbindungsfrist auf ca. 167.000,00 EUR. Unterstellen wir einmal, dass Sie bei Aufnahme des Darlehens einen Zinssatz von 1,5% für 10 Jahre zugesichert bekommen haben, so haben Sie ca. 7.500,00 EUR (im ersten Jahr, danach sinkend) bezahlt.

 

Sollte sich der Zinssatz nach Ablauf der Zinsbindungsfrist von 1,5% auf 3% verdoppelt haben, so würden Sie die 3% nur noch auf das Restdarlehen von 167.000,00 EUR bezahlen, was zu einer Zinsbelastung von ca. 5.000,00 EUR führen würde. Die absolute Zinsbelastung und das damit einhergehende wirtschaftliche Risiko für Sie wären also überschaubar. Der Zinssatz müsste schon auf 5%-Punkte und mehr steigen, damit Ihre ursprüngliche Zinsbelastung von 7.500,00 EUR nach 10 Jahren absolut überschritten wäre.

 

  1. Selbst ein Sparpolster aufbauen

Nicht zuletzt besteht natürlich die Möglichkeit, sich selbst über die nächsten 10 Jahre, soweit der Zinsbindungszeitraum 10 Jahre beträgt, ein zusätzliches Finanzpolster aufzubauen, um die Darlehensrestsumme nach 10 Jahren vollständig zu tilgen oder aber zumindest zu einem Teil zurück zu führen.

Für diese Methode eignen sich, auf einen 10-Jahres-Zeitraum gesehen, Wertpapierfonds o.ä. Von Kapitallebensversicherungen und Rentenversicherungen ist eher abzuraten, da diese aufgrund der hohen Abschlussprovisionen insbesondere in den ersten 3 bis 5 Jahren kaum Ihr eingezahltes Kapital abbilden, geschweige denn eine positive Rendite abwerfen.

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