Endfälliges Darlehen, Fluch oder Segen?

Beim endfälligen Darlehen „streiten sich die Geister“, in wieweit diese Finanzierungsart für den Darlehensnehmer eine lohnende Finanzierung ist.

Eine endfällige Finanzierung funktioniert folgendermaßen:

Der Darlehensnehmer schließt mit der Bank einen Darlehensvertrag beispielsweise über 100.000,00 EUR und einer Laufzeit von 15 Jahren ab. Dieses Darlehen wird jedoch über die Laufzeit von 15 Jahren nicht zurückgezahlt, also nicht getilgt. Der Tilgungsanteil ist somit immer Null Euro. Dies bedeutet gleichzeitig natürlich, dass die Zinsen immer auf den kompletten Darlehensbetrag von 100.000,00 EUR gezahlt werden müssen. Der Zinsanteil ist also über den Zinsbindungszeitraum immer gleichbleibend hoch.

Nach 15 Jahren muss jedoch das Darlehen zurückgezahlt werden. Man vereinbart mit der Bank die Tilgung in einer Summe nach Ablauf der 15 Jahren. Die Rückzahlung muss jedoch in irgendeiner Weise angespart werden. Daher benötigt der Darlehensnehmer ein sogenanntes „Ansparprodukt“. Ein Ansparprodukt ist eine Art Sparplan, in das der Darlehensnehmer über die gesamte Darlehenslaufzeit von z.B. 15 Jahren die Rückzahlung des Darlehens anspart. Folgende Produkte werden in der Praxis oft verwendet:

 

  1. Kapitallebensversicherung
  2. Rentenversicherung
  3. Investmentsparplan

 

In der Theorie soll der Darlehensnehmer in seinem Sparplan eine höhere Rendite erwirtschaften, also einen höheren Guthabenzins bekommen, als er wiederum für das Darlehen, in Form eines Darlehenszinses, bezahlen muss. Vereinbart der Darlehensnehmer beispielsweise mit der Bank einen Zins für das Darlehen in Höhe von 2% p.a., so muss sein Guthabenzins beim Sparprodukt über die gesamte Darlehenslaufzeit grösser als 2% p.a. betragen.

Bei dieser Renditeberechnung ist natürlich immer auch die steuerliche Auswirkung zu betrachten. So kann der Darlehensnehmer seinen Schuldzins steuerlich geltend machen und hat dadurch eine Steuerersparnis in Höhe seines persönlichen Steuersatzes, der von Darlehensnehmer zu Darlehensnehmer unterschiedlich ist. Auf der anderen Seite versteuert er auch seine Guthabenzinsen. Hier kommt es darauf an, welches Ansparprodukt der Darlehensnehmer wählt.

Betrachten wir aber ab jetzt erst einmal zur Veranschaulichung die Rentabilitäts- und Liquiditätssituation des Darlehensnehmers vor Steuer.

Unter folgenden Voraussetzungen macht eine endfällige Finanzierung wirtschaftlich Sinn:

Im Vergleich zu einem Tilgungsdarlehen oder Annuitätendarlehen liegt die Zinsbelastung bei einer endfälligen Finanzierung naturgemäß am höchsten, da der Darlehenszins über die gesamte Laufzeit in gleicher Höhe auf die volle Darlehenssumme berechnet wird.

Sollte der Darlehenszins beispielsweise bei 2% liegen, so lohnt es sich für den Darlehensnehmer über eine endfällige Finanzierung erst dann nachzudenken, wenn sein Ansparprodukt, was er parallel abschließt, eine Rendite / Verzinsung von mehr als 2% anbietet. Sollte also der Guthabenzins oder die Rendite in dem Ansparprodukt beispielsweise bei 3% liegen, so würde der Darlehensnehmer für seine Beiträge in das Ansparprodukt, welche als Tilgungsersatz anzusehen sind, 3% p.a. verdienen und an die Bank im gleichen Maße 2% Schuldzinsen bezahlen.

In vielen Fällen geht die Rechnung jedoch nicht auf. Oftmals rentieren die Ansparprodukte weniger als 2%, so dass der Darlehensnehmer dann mehr Schuldzinsen an die Bank für das Darlehen bezahlt als er wiederum für seine Sparbeiträge aus dem Investmentfonds, der Lebensversicherung oder Rentenversicherung erhält.

Die heutige Verzinsung in Lebens- und Rentenversicherungen liegt meist unterhalb von 2%. Darüber hinaus ist zu beachten, dass es bei Lebensversicherungen stark auf die Laufzeit der Versicherung und damit auch auf die Darlehenslaufzeit ankommt. Insbesondere in den ersten drei bis fünf Jahren werden bei einer Lebensversicherung oder Rentenversicherung die eingezahlten Beiträge des Sparers meisten zu großen Teilen für die Finanzierung der Abschlussprovisionen (sogenannte weiche Kosten) verwendet. Erst danach laufen die Beiträge voll zu Gunsten des Anlegers. Bei Laufzeiten bis zehn Jahren ist dem entsprechend nach unseren Erfahrungen kaum bis gar nicht mit einer positiven Rendite aus solchen Produkten zu rechnen.

Bei Investmentfonds kann die Rechnung anders aussehen. Hier ist es über einen Zeitraum von zehn Jahren durchaus möglich, eine Gesamtrendite von über 2%, z.B. in Form einer Wertentwicklung des Depots, zu erhalten. Gleichwohl ist dies ein Spiel mit vielen Unbekannten, denn keiner kann Ihnen sagen, wie die Aktienwerte und Rentenwerte in zehn Jahren dastehen werden.

Im Endergebnis ist also die endfällige Variante der Finanzierung mit einem Tilgungsaussetzungsprodukt immer mit Ungewissheiten versehen. Dies gilt insbesondere für Investmentfonds die höhere Chancen als Lebensversicherungen bieten aber gleichzeitig auch höhere Risiken. Daher empfehlen Banker oftmals Lebens- oder Rentenversicherungen als Tilgungsersatz. Diese werden allerdings oft so berechnet, dass sie mit einer Minimalverzinsung am Ende der Darlehenslaufzeit die gesamte Darlehenssumme abbilden müssen. Dies geht meist damit einher, dass mit einer nahezu gegen Null tendierenden Verzinsung zu rechnen ist. In diesem Fall „zahlt jedoch der Darlehensnehmer auf jeden Fall die Zeche“. Denn genau hier kommt das Problem zum Tragen, dass die Verzinsung des Ansparproduktes unterhalb des Fremdkapitalzinses liegt und dem entsprechend ein wirtschaftlicher Schaden für den Darlehensnehmer entsteht.

 

Welchen Einfluss hat der Darlehensnehmer auf die Auswahl der Ansparprodukte?

Finanzierende Banken leben zu einem hohen Anteil von Vermittlungsprovisionen auch im Zusammenhang mit endfälligen Finanzierungen. Banken empfehlen daher naturgemäß eher Lebens- und Rentenversicherungen, die für sie selbst entsprechend hohe Provisionszahlungen garantieren. Darüber hinaus empfehlen Banken nicht, wie unabhängige Finanzvermittler, Investmentsparpläne aus der großen Vielzahl der gehandelten Produkte. Sie haben ein bestimmtes Portfolio an „Partnerfonds“ mit denen ebenfalls bestimmte Provisionsvereinbarungen bestehen. Der Darlehensnehmer ist daher meist nicht in der Position eine freie Auswahl seines Ansparproduktes durchzuführen. Genau hierin liegt ein wesentliches Problem der endfälligen Finanzierung. Es gibt durchaus Ansparprodukte, die bei entsprechender Risikoneigung des Darlehensnehmers, geeignet wären eine endfällige Finanzierung durchzuführen. Hier wäre jedoch für den Darlehensnehmer wichtig, dass er freie Hand bei der Auswahl dieser Produkte hat.

 

Zusammenfassung:

Insgesamt ist die endfällige Finanzierung mit einem erhöhten Anlegerrisiko verbunden. Im Gegensatz zu einem Annuitätendarlehen oder Tilgungsdarlehen enthält die endfällige Finanzierung mit Tilgungsaussetzungsprodukt eben dieses zusätzliche Risiko. Ob die endfällige Finanzierung die beste Wahl unter den bestehenden Darlehensmöglichkeiten war, sieht der Anleger und Darlehensnehmer erst am Ende der Laufzeit. Unsere Praxiserfahrungen zeigen immer wieder, dass kaum eine endfällige Finanzierung mit Lebensversicherungen oder Rentenversicherungen am Ende die beiden anderen Darlehensarten schlägt. Ganz im Gegenteil. Wir erleben sehr oft, dass Lebensversicherungen und Rentenversicherungen am Ende der Darlehenslaufzeit nicht ausreichen, um die Darlehen zu tilgen und noch zusätzliches privates Geld aufgewendet oder eine Anschlussfinanzierung abgeschlossen werden muss, um diese Lücke zu schließen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Post comment