Bausparvertrag als sinnvolles Finanzierungsinstrument?

Seit etwa 2013 hält nun die historische Zinsniedrigphase für Darlehen in Deutschland an. Die Angst vor Zinserhöhungen ist dem entsprechend groß. Vor diesem Hintergrund mehren sich die Finanzierungsmodelle der Bank, die darauf ausgerichtet sind, die momentanen historisch niedrigen Zinsen auch für die Zukunft zu sichern. Dass es diese Sicherheit nicht kostenlos gibt, kann man sich denken. Wie sehen solche Finanzierungen konkret aus?

 

Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich eine Zinssicherheit für die Zukunft zu verschaffen. Eine dieser Möglichkeiten ist die Finanzierung durch Einsatz eines Bausparvertrages. Dies funktioniert so:

 

Nehmen wir an, dass Sie ein Darlehen in Höhe von 100.000,00 EUR benötigen und der jetzige Zinssatz 1,5% bei einer Zinsbindung von zehn Jahren beträgt. Dies bedeutet, dass Sie zehn Jahre die Sicherheit haben, dass Sie von einem Zins in Höhe von 1,5% profitieren. Dieses Darlehen wird allerdings in den folgenden zehn Jahren nicht getilgt, sondern Sie schließen parallel dazu einen Bausparvertrag ab, den Sie die nächsten zehn Jahre besparen. Dies bedeutet, dass Sie Sparbeiträge in diesen Bausparvertrag einzahlen. Die Sparbeiträge werden mit etwa 0,1% verzinst. Die Bausparkasse verspricht Ihnen gleichzeitig, dass Sie nach Ablauf von zehn Jahren ein Darlehen in Höhe von 100.000,00 EUR zu einem vorher festgelegten niedrigen Zins, beispielsweise 1,7%, bekommen. Voraussetzung ist, dass Sie in den zehn Jahren etwa 40% bis 60% der Darlehenssumme von 100.000,00 EUR, also 40.000,00 EUR bis 60.000,00 EUR selbst ansparen. Sobald dieses Ansparziel von Ihnen erreicht wurde, ist der Bausparvertrag „zuteilungsreif“. Dies bedeutet, dass die Bausparkasse Ihnen das zugesicherte Darlehen in Höhe von 100.000,00 EUR, abzüglich des selbst angesparten Guthabens von 40.000,00 EUR bis 60.000,00 EUR, in Form eines Folgedarlehens auszahlt, welches das ursprüngliche Darlehen über 100.000,00 EUR ablöst. Dieses neue Folgedarlehen erhalten Sie zu dem vormals festgelegten Zins in Höhe von 1,7% (unser Beispielsfall). Dieses neue Folgedarlehen läuft dann beispielsweise weitere zehn Jahre. Damit haben Sie eine Zinssicherheit in Höhe von 1,7% für das elfte bis zum zwanzigsten Jahr.

 

Zunächst hört sich diese Konstruktion ganz positiv an, da Sie sich einen niedrigen Zinssatz für die nächsten 20 Jahre gesichert haben. Auf der anderen Seite ist jedoch zu bedenken, dass Sie in der Ansparphase keinerlei Tilgungen in Ihr Vorwegdarlehen geleistet haben und somit auf die gesamte Darlehenssumme von 100.000,00 EUR stetig 1,5% Zinsen pro Jahr bezahlt haben. Auf der anderen Seite haben Sie hohe Ansparbeiträge in Ihren Bausparvertrag geleistet, für die Sie von der Bausparkasse lediglich 0,1% Zinsen erhalten haben. Wirtschaftlich gesehen haben Sie damit einen jährlichen Zinsschaden in Höhe von 1,4% erwirtschaftet (1,5% – 0,1%). Denn hätten Sie alternativ ein ganz normales Tilgdarlehen über 100.000,00 EUR zu einem Zinssatz von 1,5% abgeschlossen, welches Sie innerhalb von zehn Jahren zurückzahlen, hätten Sie mit jeder monatlichen Tilgung 1,5% Zinsen gespart.

 

Natürlich muss man sich die Frage stellen, wie hoch der Darlehenszins nach Ablauf von zehn Jahren (Ablauf der Zinsfestschreibungsfrist für das Vorwegdarlehen) sein wird. Bei einer sehr hohen Steigerung des Marktzinses kann das Rechenmodell mit dem Bausparvertrag natürlich auch aufgehen. Die Frage ist nur, wie realistisch es ist, dass in zehn Jahren der Darlehenszins einen Bereich von 5%, 6% oder mehr erreicht.

 

Bei der Gesamtberechnung muss man betrachten, dass sich in unserem Beispielsfall das Folgedarlehen ohnehin von 100.000,00 EUR auf lediglich 40.000,00 EUR bis 60.000,00 EUR belaufen wird. Der attraktive Folgezins von 1,7% wird ohnehin nur auf eine deutlich verringerte Darlehensbasis berechnet, so dass sich der Vorteil des niedrigen Zinses ohnehin mathematisch relativiert. Sollte beispielsweise in den ersten zehn Jahren der Ansparung des Bausparvertrages eine Ansparsumme von 50% des Bauspardarlehens erreicht worden sein, so wird das Vorausdarlehen von 100.000,00 EUR durch ein Folgedarlehen von 50.000,00 EUR ersetzt. Sollte also der Marktzins nach Ablauf von zehn Jahren sich von 1,5%-Punkten, wie in unserem Beispiel, auf 3%-Punkte verdoppeln, so würde dies zu keiner realen Mehrbelastung für den Darlehensnehmer führen, da sich die 3% auf die Hälfte der Darlehenssumme von 50.000,00 EUR beziehen würden.

 

Es gibt sicherlich alternative Möglichkeiten sich die niedrigen Zinsen für die Zukunft zu sichern. Hierzu erfahren Sie in einem unserer folgenden Artikel mehr!

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